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Die Brandrede

18.10.2026, 17:19 Uhr

«Es sind harte Zeiten angebrochen, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Herr Körner und die Mitglieder der Geschäftsführung: Frau Plies und Herr Dr. Breuninger. Sehen Sie! Die Konkurrenz aus China macht uns zu schaffen. Der Russe. Der Ami. Die Japaner! Wir müssen gegenhalten, wir müssen besser werden, schneller, effizienter ... Sonst droht uns die Zerstörung, die totale Vernichtung, liebe Kolleginnen und Kollegen – wir sind vom Aussterben bedroht, diese Firma wird es, wenn es denn so weitergeht, in fünf Jahren nicht mehr geben, sie werden uns plätten, zerbomben, es wird Brandbomben regnen, der Himmel wird feuerrot erstrahlen», rief er und spuckte. «Es wird ein Gemetzel werden, nein – es ist bereits ein Gemetzel da draußen! Wir müssen angreifen, der Vertrieb muss Gas geben, Panzer müssen rollen und Dörfer sollen brennen, wir legen alles in Schutt und Asche, wir sind es, die gewinnen werden und dominieren werden und es wird ein Sieg ... und ... und ... Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Herr Körner, liebe Frau ... Frau ... Es wird glorreich, wenn wir uns anstrengen, wenn Sie sich entscheiden, an meiner Seite zu stehen und wir die Geschütztürme ... aber Sie sehen! Es wird Licht geben, doch bis dahin erwarte ich ... ich erwarte von Ihnen, von Ihnen allen erwarte ich Höchstleistung, denn es wird nicht anders gehen. Wir müssen doch unseren Standort retten und das Reich, also ich meine: Deutschland, wir müssen unser Land retten vor dem Untergang, der uns droht ... und, ja. Ich ... ich übergebe das Wort nun an Sie, Herrn Körner, bitte schön – die Bühne gehört Ihnen.» Verhaltener Applaus und irritierte Gesichter, eine glotzende Belegschaft.

Der Sanierer

25.08.2026, 15:36 Uhr

Auf dem Konzerngelände standen einige uralte Bäume: Eichen und Kastanien. Die sollten aber zeitnah gefällt werden – das hatte der neue CEO bestimmt. Dr. Hartlieb Klausen sollte die Firma auf Vordermann bringen, um sie in einem Jahr erfolgreich zu verkaufen. Er musste dafür Ballast ab- und Leute rauswerfen. Die alten Bäume würden stören und das Gebäude unnötig «verschatten», fand Klausen. Sie – die Bäume – stünden sinnbildlich für das Alte. Er aber sei Visionär und denke stets an die Zukunft. Nie blicke er zurück; die Vergangenheit sei irrelevant, die Tradition, die Gemütlichkeit – alles Schnee von gestern, erklärte er in einem Video anlässlich seines Dienstantritts. «Packen wir’s also an», rief er und ballte die rechte Hand zur Faust.

Seit Jahrzehnten verarbeitet die Firma Daten, wandelte also rohe Informationen durch strukturierte Prozesse in nutzbare Ergebnisse um. Doch die Norddeutsche Datenverarbeitungsgesellschaft mbH war schwerfällig und in die Jahre gekommen. Fette Sau, nannte Dr. Klausen die Firma.

Wichtige Innovationen waren ausgeblieben, weil der langjährige CEO Theobald E. Sassen eine alte Seele war. Jetzt, da er (endlich) tot war, musste der von Extern gekommene Dr. Hartlieb Klausen retten, was noch zu retten war. Er galt als eigenwillig und sonderbar. Der Aufsichtsrat hatte sich für einen Verkauf der Firma entschieden. Doch bislang war die Nachfrage erstaunlich mau, die wirtschaftliche Lage angespannt. Zeit für die Kettensägen! – Wie es weitergeht? Wir werden sehen; ich weiß es noch nicht.

Geister

27.05.2026, 16:09 Uhr

«Versuchen Sie es als Geisterbeschwörer», hatte der Berater im Arbeitsamt schließlich gesagt. Er hatte ihn mehrmals ermutigt: Es sei eine gewisse Nachfrage vorhanden, etwa bei der Polizei. Olaf Wullmann war skeptisch. Er machte einen Brummton, der das ausdrücken sollte. «Was verdient man denn da so?», fragte er schließlich. Ihm gefiel die Antwort, also ließ er sich umschulen.

Neue Story: Panik bringt nichts

19.01.2026, 11:47 Uhr

Im Erdreich befindet sich noch ein freies Büro – zu erreichen mit einem alten Lastenaufzug. Was passiert dort unten? Das steht in der Story «Panik bringt nichts».

Neuer RSS-Feed

14.01.2026, 12:48 Uhr

Nie wieder eine Story verpassen: Es gibt einen neuen RSS-Feed, den ihr abonnieren könnt! Neue Storys erscheinen sogleich in eurem Feedreader (häh?).

Wir haben doch keine Zeit

05.01.2026, 16:04 Uhr

Niemand hat Zeit! Oder nur ganz wenig. Deshalb habe ich auf dieser Website eine neue Funktion eingebaut: Sie informiert bei jeder Short Story über die ungefähr nötige Lesezeit. Eilige Leserinnen können also überlegen, ob sie drei Minuten ihres Alltags entbehren können, um etwa Marnie liest keine Türen zu lesen. Die dafür nötige Formel lautet übrigens ganz einfach Wortanzahl / 200. Im Schnitt lesen Leute nämlich diese 200 Wörter pro Minute.