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Der Sanierer

25.08.2026, 15:36 Uhr

Auf dem Konzerngelände standen einige uralte Bäume: Eichen und Kastanien. Die sollten aber zeitnah gefällt werden – das hatte der neue CEO bestimmt. Dr. Hartlieb Klausen sollte die Firma auf Vordermann bringen, um sie in einem Jahr erfolgreich zu verkaufen. Er musste dafür Ballast ab- und Leute rauswerfen. Die alten Bäume würden stören und das Gebäude unnötig «verschatten», fand Klausen. Sie – die Bäume – stünden sinnbildlich für das Alte. Er aber sei Visionär und denke stets an die Zukunft. Nie blicke er zurück; die Vergangenheit sei irrelevant, die Tradition, die Gemütlichkeit – alles Schnee von gestern, erklärte er in einem Video anlässlich seines Dienstantritts. «Packen wir’s also an», rief er und ballte die rechte Hand zur Faust.

Seit Jahrzehnten verarbeitet die Firma Daten, wandelte also rohe Informationen durch strukturierte Prozesse in nutzbare Ergebnisse um. Doch die Norddeutsche Datenverarbeitungsgesellschaft mbH war schwerfällig und in die Jahre gekommen. Fette Sau, nannte Dr. Klausen die Firma.

Wichtige Innovationen waren ausgeblieben, weil der langjährige CEO Theobald E. Sassen eine alte Seele war. Jetzt, da er (endlich) tot war, musste der von Extern gekommene Dr. Hartlieb Klausen retten, was noch zu retten war. Er galt als eigenwillig und sonderbar. Der Aufsichtsrat hatte sich für einen Verkauf der Firma entschieden. Doch bislang war die Nachfrage erstaunlich mau, die wirtschaftliche Lage angespannt. Zeit für die Kettensägen! – Wie es weitergeht? Wir werden sehen; ich weiß es noch nicht.

Geister

27.05.2026, 16:09 Uhr

«Versuchen Sie es als Geisterbeschwörer», hatte der Berater im Arbeitsamt schließlich gesagt. Er hatte ihn mehrmals ermutigt: Es sei eine gewisse Nachfrage vorhanden, etwa bei der Polizei. Olaf Wullmann war skeptisch. Er machte einen Brummton, der das ausdrücken sollte. «Was verdient man denn da so?», fragte er schließlich. Ihm gefiel die Antwort, also ließ er sich umschulen.

Neue Story: Panik bringt nichts

19.01.2026, 11:47 Uhr

Im Erdreich befindet sich noch ein freies Büro – zu erreichen mit einem alten Lastenaufzug. Was passiert dort unten? Das steht in der Story «Panik bringt nichts».

Neuer RSS-Feed

14.01.2026, 12:48 Uhr

Nie wieder eine Story verpassen: Es gibt einen neuen RSS-Feed, den ihr abonnieren könnt! Neue Storys erscheinen sogleich in eurem Feedreader (häh?).

Wir haben doch keine Zeit

05.01.2026, 16:04 Uhr

Niemand hat Zeit! Oder nur ganz wenig. Deshalb habe ich auf dieser Website eine neue Funktion eingebaut: Sie informiert bei jeder Short Story über die ungefähr nötige Lesezeit. Eilige Leserinnen können also überlegen, ob sie drei Minuten ihres Alltags entbehren können, um etwa Marnie liest keine Türen zu lesen. Die dafür nötige Formel lautet übrigens ganz einfach Wortanzahl / 200. Im Schnitt lesen Leute nämlich diese 200 Wörter pro Minute.

Der Knaller

30.12.2025, 13:47 Uhr

Es war einmal ein junger Mann, der sich komplett schwarz anzog und zwei Holster für Raketen bastelte. Auf dem Rücken hatte er sich einen schwarzen Rucksack geschnallt – einen Rucksack voller Sprengstoff. Der Mann trug Handschuhe und lief die Geibelstraße entlang, hin zum Maschsee, wo die Hannoveraner das neue Jahr begrüßten. Der Mann feuerte wie eine Maschine seine Raketen ab ab und schmiss seine Böller in alle Richtungen. Er böllerte sich in den Wahn und er liebte es. Wie immer war er allein unterwegs, allein in seiner Uniform, allein mit seinen Raketen. Komischer Kerl, dachte ich, und hielt mich fern von dem.

Zehn Jahre zuvor: Ich sitze mit F. und F. bei Familie K. Wir zocken und trinken Smirnoff Ice. Anbei ist ein anderer Kerl, dessen Namen ich vergessen habe. Er ist schweigsam und seltsam. Er trägt einen schwarzen Hoodie – ich weiß es aber nicht mehr genau. Um Mitternacht geht's endlich raus, der Namenlose kann loslegen. Wirft einen Böller nach dem anderen auf die vereiste Straße, unter die Autos, in die Gullys. Wumms! Peng! Rumms! Er ist so glücklich. Es ist kalt, es riecht nach Rauch. «Frohes Neues!», trällern die besoffenen Nachbarn, die ich nicht kenne. Die Kälte schneidet in die Haut.