Der Sanierer
Auf dem Konzerngelände standen einige uralte Bäume: Eichen und Kastanien. Die sollten aber zeitnah gefällt werden – das hatte der neue CEO bestimmt. Dr. Hartlieb Klausen sollte die Firma auf Vordermann bringen, um sie in einem Jahr erfolgreich zu verkaufen. Er musste dafür Ballast ab- und Leute rauswerfen. Die alten Bäume würden stören und das Gebäude unnötig «verschatten», fand Klausen. Sie – die Bäume – stünden sinnbildlich für das Alte. Er aber sei Visionär und denke stets an die Zukunft. Nie blicke er zurück; die Vergangenheit sei irrelevant, die Tradition, die Gemütlichkeit – alles Schnee von gestern, erklärte er in einem Video anlässlich seines Dienstantritts. «Packen wir’s also an», rief er und ballte die rechte Hand zur Faust.
Seit Jahrzehnten verarbeitet die Firma Daten, wandelte also rohe Informationen durch strukturierte Prozesse in nutzbare Ergebnisse um. Doch die Norddeutsche Datenverarbeitungsgesellschaft mbH war schwerfällig und in die Jahre gekommen. Fette Sau, nannte Dr. Klausen die Firma.
Wichtige Innovationen waren ausgeblieben, weil der langjährige CEO Theobald E. Sassen eine alte Seele war. Jetzt, da er (endlich) tot war, musste der von Extern gekommene Dr. Hartlieb Klausen retten, was noch zu retten war. Er galt als eigenwillig und sonderbar. Der Aufsichtsrat hatte sich für einen Verkauf der Firma entschieden. Doch bislang war die Nachfrage erstaunlich mau, die wirtschaftliche Lage angespannt. Zeit für die Kettensägen! – Wie es weitergeht? Wir werden sehen; ich weiß es noch nicht.
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